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Nossack Aktuell 3

(29. September 1999)

Telegramm:
Editorial ..... Aus den Nachlaß ..... Bibliographisches .....   Fotos ..... Nossack A - Z (2. Folge)

 

Editorial

Nach etwas längerer Pause geht heute die dritte Ausgabe unseres kleinen Newsletters ins Netz. Wir freuen uns, diesmal einen bisher unbekannten und unveröffentlichten Text Nossacks aus den frühen vierziger Jahren präsentieren zu können. Für die freundliche Genehmigung zur Erstveröffentlichung des Prosastücks "Der Zuschauer als handelnde Person des Spiels" danken wir Herrn Christof Schmid, Baden-Baden, aus dessen Privatarchiv der Text stammt. Neben neuen bibliographischen Hinweisen und älteren Fotos von Nossack gibt es eine weitere Folge unserer bunten Reihe "Nossack A – Z", für die wir weiterhin um Ergänzungen und Beiträge bitten.

Buchmesse 1999 vom 13. bis 18. Oktober

Auch in diesem Jahr wird die Mainzer Akademie zusammen mit der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften auf der Frankfurter Buchmesse vertreten sein. Sie finden uns in Halle 4.2, Stand B 406. Dort besteht die Möglichkeit, sich über die Tätigkeit der deutschen Akademien und natürlich auch über unsere Nossack-Dokumentation, die in Form einer CD-ROM am Stand vorliegen wird, zu informieren.

Neuer Nossack-Preisträger

Preisträger des diesjährigen Hans Erich Nossack-Preises des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie ist der aus dem sächsischen Meuselwitz stammende 58-jährige Wolfgang Hilbig; er erhielt den mit 20000 DM dotierten Preis für seine Lyrik- und Prosawerke wie Abwesenheit (1979) oder Ich (1993).

"Der Club der großen Lichter"

Zuletzt möchten wir noch einmal auf den Sendetermin des anläßlich des 50jährigen Bestehens der Mainzer Akademie entstandenen ZDF-Films "Der Club der großen Lichter" hinweisen, der am 18. Oktober 1999 um 10.15 in Phoenix ausgestrahlt wird.

 

Aus dem Nachlaß von Hans Erich Nossack

Der Zuschauer als handelnde Person des Spiels

Schon vor 1943 gab es einen Schriftsteller Hans Erich Nossack. Auch wenn bei den verheerenden Bombenangriffen auf Hamburg in diesem Jahr fast alle seine Manuskripte verbrannten, so hat sich in Bruchstücken einiges aus dieser Zeit doch bis heute erhalten, etwa seine Gedichte, einige seiner Dramen sowie der 1966 wiedergefundene Prosatext Gespräch vor der Katastrophe. Trotzdem ist das Bewußtsein einer kontinuierlichen Künstlerbiographie Nossacks nicht zuletzt auch durch die von ihm selbst gepflegte und von anderen gern übernommene Stilisierung des "Untergangs" 1943 als eigentlicher Beginn seines Schriftstellerlebens weithin wenig ausgeprägt. Die Selbstaussagen Nossacks über diese Zeit sind zwar zahlreich, doch häufig eher inkonkret, besonders, was seine verlorenen Werke angeht — einmal abgesehen von den Dramen, die er ja im berühmten und vielfach abgedruckten "Inventur-Brief" vom 12./13. 12. 1943 an Hermann Kasack ausführlich beschreibt. Leben und Schaffen Nossacks vor der Katastrophe verlieren sich bis heute weitgehend im Dunkel und erscheinen seltsam "geheimnisvoll". Der Fund eines bisher unbekannten Textes aus eben diesen Jahren vor 1943 dürfte demnach für Nossack-Leser und –Kenner außerordentlich interessant sein.

Im Privatarchiv von Christof Schmid befindet sich eine in einen minimalen erzählerischen Rahmen eingebettete und in Dialogform gehaltene theatertheoretische Abhandlung mit dem Titel "Der Zuschauer als handelnde Person des Spiels", deren Veröffentlichung an dieser Stelle wir der freundlichen Genehmigung von Herrn Schmid verdanken. Das Typoskript ist mit Schmids handschriftlichem Zusatz "ca. 1941/42" versehen; solche Datierungsvermerke, die sich auf vielen Nachlaßmanuskripten aus dem Schmidschen Archiv finden, gehen vielfach auf Gespräche Schmids mit Nossack selbst zurück, der die Entstehungszeit seiner Texte häufig anhand der Papiersorte rekonstruierte. Mit der hier angegebenen Datierung korreliert die Tatsache, daß das Manuskript auf der ersten Seite in Nossacks typischer Manier mit seiner Adresse zum Zeitpunkt der Entstehung des Textes überschrieben ist: "Brahmsallee 11". Dort wohnte Nossack bis zum Juli 1943, als das Haus bei einem Bombenangriff völlig zerstört wurde. Der Text muß also früher entstanden sein. Auf die Jahre 1941/42 mit ihren gelegentlichen Bombentreffern in Hamburg verweist auch der Text selbst: Die Hinweise des Regisseurs auf das von Bomben zerstörte Haus und die Schaulustigen sind nur dann verständlich, wenn eine solche Ruine noch eine Besonderheit im Stadtbild darstellt und nicht – wie ab 1943 – traurige Normalität ist.

Bemerkenswert ist auch das Sujet des Textes. Nossack verstand sich in den vierziger Jahren und darüber hinaus zwar in erster Linie als Dramatiker, theoretische Abhandlungen über Probleme der Bühne sind bisher jedoch nicht von ihm überliefert. Um so interessanter wird es sein, die hier getroffenen Aussagen mit der Praxis seiner erhaltenen Stücke aus dieser Zeit in Beziehung zu setzen. Darüber und etwa über den Zusammenhang des unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur entstandenen Textes mit theatertheoretischen Aussagen der modernistischen Avantgarde sowie seinen Stellenwert im Kontext des Gesamtwerkes gibt es unserer Ansicht nach reichlich Diskussionsbedarf; Anmerkungen und Hinweise sind uns daher herzlich willkommen.

J. Hilgart

 

Bibliographisches

  • Hans Bänzigers Monographie "Augenblick und Wiederholung. Literarische Aspekte eines Zeitproblems" (Würzburg: Königshausen & Neumann 1998) widmet einen Abschnitt Nossacks Erzählung "Das kennt man" (S. 107).
  • Eine deutsche Zusammenfassung eines Artikels von Frau Junko Kohsaka über Nossacks Erzählung "Dorothea", den uns die Autorin freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, finden Sie hier.
  • In Kürze wird der Tagungsband des letztjährigen Hamburger Symposiums "Hans Erich Nossack – Leben, Werk, Kontext" erscheinen. Wir werden den Band hier ausführlich vorstellen.

 

Drei alte Fotos

Zur Ergänzung der Bildergalerien unserer Dokumentation geben wir hier drei Fotographien Hans Erich Nossacks wieder, die wir den Zeitschriften "Weltstimmen" (1949) und "Kristall" (1953 und 1957) entnommen haben. Weitere Nossack-Porträts finden Sie in seiner "standesamtlichen Biographie" und vor allem in der "Hamburger" Fotogalerie.

 

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(2. Folge)

 

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wie      "Anekdote
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wie      "Kasack"
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wie        "Väter"

            

 

 

            

 

          

Hans Erich Nossack - 1901-1977: Internet-Dokumentation der Arbeitsstelle Hans Erich Nossack der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Redaktion: Gabriele Söhling, Johannes Hilgart, Thomas Hilsheimer, Gestaltung: Thomas Hilsheimer