| Nossacks Selbsteinschätzung als
Einzelgänger und seine Abneigung, am literarischen Betrieb teilzunehmen, blieben
weitgehend Wunsch und Vorstellung. Insbesondere die 60er Jahre zeichnen sich durch seine
große Präsenz in der Öffentlichkeit aus; ob als Festredner, Interviewpartner, bei
Lesungen oder Preisverleihungen Nossack war ein gefragter Autor und übernahm, etwa
als Vizepräsident der Mainzer Akademie (1964-1968), auch administrative und
repräsentative Aufgaben. Bereits kurz nachdem er 1947 und 1948 mit seinen ersten
Publikationen als Autor reüssiert hatte, war er zum Mitglied der neu gegründeten
Hamburger Freien Akademie der Künste und der Mainzer Akademie der Wissenschaften gewählt
worden: hier knüpfte und vertiefte er Freundschaften zu Hans Henny Jahnn, Rolf
Italiaander, Hermann Kasack, Ernst Kreuder, Frank Thiess, Martin Kessel u. a. 1963 kam mit
dem Büchner-Preis die Mitgliedschaft in der Darmstädter Akademie für Sprache und
Dichtung hinzu. Nicht zuletzt bot auch der Suhrkamp
Verlag, in dem Nossack ab 1955 veröffentlichte, mit seinen insbesondere in den 60er
Jahren üblichen Autorentreffen zahlreiche Gelegenheiten, andere Schriftsteller
kennenzulernen. Einen Einblick in den Kulturbetrieb und Nossacks vielfältige
Bekanntschaften und Beziehungen vor allem der 60er Jahre geben seine Tagebücher aus
dieser Zeit. Engere, intensive Freundschaften entstanden dennoch eher selten und waren
von wenigen Ausnahmen, etwa der Freundschaft mit dem Theologen Eugen Biser,
abgesehen in der Regel nur von kurzer Dauer: so beispielsweise mit dem heute
unbekannten Lyriker Hans H. König in den frühen Nachkriegsjahren oder dem Schauspieler
Matthias Wieman zu Beginn der 50er Jahre. Neben dem Tagebuch ist auch der Brief für
Nossack zeitlebens ein wichtiges Medium gewesen. Seine Briefe aus der Zeit vor dem
"Untergang" sind 1943 mitverbrannt, darunter auch die Korrespondenz mit dem
"Vater" Ernst Barlach, der wohl schwerste Verlust für Nossack. Die erhaltene
Korrespondenz konzentriert sich in den ersten Nachkriegsjahren zunächst auf einige wenige
im Umkreis seines Verlags: engere Brieffreundschaften verbanden Nossack damals etwa mit
dem Suhrkamp-Lektor Hermann Kasack und Hans H. König, und nach dem Wechsel zum Wolfgang
Krüger Verlag 1946 auch mit dessen Lektor Hartmann Goertz. In den 50er und 60er Jahren
weitete sich die Korrespondenz aus und umfaßte in diesen Jahren zahlreiche Briefwechsel
mit Schriftstellern und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, mit Lesern,
Verlagen, Presse usw. Diese immer größer werdende Korrespondenz nahm zeitweise einen
solchen Umfang an, daß sich in den Tagebüchern die Klagen über die nicht abreißende
Briefflut häuften. Erst nach Nossacks Rückgang nach Hamburg 1969 ging die Korrespondenz
deutlich zurück; in seinen letzten Lebensjahren lebte er relativ zurückgezogen in seiner
Heimatstadt und nahm auch brieflich seltener Kontakt auf. Nossacks Korrespondenz umfaßt u. a. Briefe von und an Hans
Bänziger, Yoram Bar-David, Hans Bender, Horst Bienek, Eugen Biser, Ilse Blumenthal-Weiss,
Werner Bock, Kurt Bösch, Jospeh Breitbach, Rolf Dieter Brinkmann, Paul Celan, Gerhard
Deesen, Karlheinz Deschner, Alfred Döblin, Hilde Domin, Hellmut Draws-Tychsen, Ingeborg
Drewitz, Kasimir Edschmid, Wilhelm Emrich, Walter Helmut Fritz, Walter Grüntzig, Joachim
Günther, Rudolf Hagelstange, Hermann Hakel, Stephan Hermlin, Rolf Hochhuth, Walter
Höllerer, Karl August Horst, Peter Huchel, Rolf Italiaander, Hans Henny Jahnn, Hermann
Kasack, Marie Luise Kaschnitz, Martin Kessel, Hermann Kesten, Ernst Kreuder, Bernhard von
Krogh, Karl Krolow, Günter Lanser, Wilhelm Lehmann, William Matheson, Robert Minder,
Walter von Molo, Ilse Molzahn, Kurt Morawietz, Walter Muschg, Hans Paeschke, Hans Werner
Richter, Heinz Risse, Christof Schmid, Wolfdietrich Schnurre, Heinz Schöffler, Rolf
Schroers, Manès Sperber, Dolf Sternberger, Klaus Stiller, Frank Thiess, Franz Tumler und
Fritz Usinger. Die Briefe sind im Deutschen Literaturarchiv in
Marbach sowie in einigen Privatarchiven erhalten, eine Auswahl aus der Zeit von 1943 bis
1956 wird derzeit in Mainz zur Veröffentlichung vorbereitet. |